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Züruck
Start mit der Produktionsgruppe im Marchivum
Am Montag, 02.03.20, fand die erste Begegnung zwischen der Produktionsgruppe (Kontaktlehrerin und 10 interessierte Schüler*innen aus den Klassen 9-11, teils aus der Theater AG, teils mit Chinesisch-Unterricht) und mir statt. Unsere gemeinsamer ästhetisch-forschender Prozess begann im Archiv. Die Erfahrung in den Räumen und eine Recherche nach Bildmaterial als Beitrag zur Materialsammlung der Produktion bot die Grundlage für einen Austausch mit dem künstlerischen Team.
An die Führung durch das umfunktionierte Bunkergebäude schloss sich eine von der Archivpädagogin vorbereitete Rechercheaufgabe im Benutzer*innenraum an. Die Schüler*innen wählten Fotografien aus dem Nachlass des Architekten Friedrich Wilhelm Biber (1875 - 1969) aus und entzifferten Postkarten aus Mannheim nach Qingdao. Die Auswahl von 23 Fotos aus dem Biber-Nachlass ermöglichte uns Eindrücke von Landschaften und Menschen in Qingdao, sowie von Architekturen, Innenraumdekorationen, Alltagsszenen, Festivitäten und fotografischen Selbstinszenierungen der dort lebenden Kolonialist*innen. Die grundlegende Frage: Was ist auf diesen Bildern zu sehen? Führte uns schnell an unsere Grenzen: trotz vorhandener Bildunterschriften fehlte uns nicht nur der kulturhistorische und politische Kontext, sondern vor allem angemessene Begrifflichkeiten. Wir trafen erste Verabredungen: 1. Wir sind keine Expert*innen, was Land, Menschen und Geschichte von Qingdao anbelangt. 2. Wir versuchen Wertungen und vorschnelle Interpretationen zu vermeiden. 3. Wir haben unsere Perspektive und können nicht so tun, als sei eine objektive Bildbeschreibung möglich.
Schulbesuch des künstlerischen Teams
Am Donnerstag, 05.03. fand die erste Begegnung zwischen dem Produktionsteam und der Produktionsgruppe statt. Beim Speed-meeting tauschte sich je ein*e Schüler*in mit einem Mitglied aus dem künstlerischen Team zu folgenden Fragen aus:
1. Wie war Deine körperliche und räumliche Erfahrung im Archiv?
2. Wenn Du ein privates Archiv hättest, was käme da hinein?
3. Was hast Du in der Schule über Kolonialgeschichte gelernt?
4. Was verbindest Du mit dem Wort Städtepartner*innenschaft?
Danach zeigten die Schüler*innen ihre ausgedruckten Bilder aus dem Biber-Nachlass und erläuterten ihre Auswahl. Das Team und die Schüler*innen benannten die Schwierigkeit, die Bilder zu lesen und die Personen zu benennen. Dies hing zusammen mit dem Verhältnis zwischen den Personen auf dem Bild und denen vor und hinter der Kamera: Ist es in Ordnung, „Sklave“ oder „Diener“ zu sagen oder ist das diskriminierend oder bereits eine Interpretation? Ist das eine chinesische Theatergruppe oder eine Extra-Inszenierung für ein weißes Publikum? Was bedeutet der erschrockene Blick mancher Personengruppen?
In der Besprechung mit dem Team stand das Medium Fotografie als koloniale Technologie sowie auch die Frage nach Materialien zur sensiblen Sprache im Vordergrund und wir wählten zwei rassismuskritische Texte dazu aus.
Am Freitag, den 13.03.20 arbeiteten die Produktionsgruppe und ich, unterstützt von Talibe Rabia Tunc (FSJlerin am JNTM) mit den Bildern weiter, in dem wir sie gruppierten. Diese Übung provozierte dazu, Kategorien zu bilden, die wir dann gemeinsam befragten und diskutierten. Dabei notierten wir die in den Erläuterungen verwendeten Begriffe – problematische wie hilfreiche. Eine Gruppe kategorisierte die Bilder in “Chinesen“, „Deutsche“, „Deutsche und Chinesen“ und “tote Dinge“, woraus sich eine rege Diskussion über Nationalität und die Kolonialgeschichte ergab.Wir kamen nicht mehr dazu uns die Textkopien anzuschauen. Ich gab sie den interessierten Schüler*innen mit nach Hause.
Der für den 24. März angesetzte Probenbesuch der Schüler*innen mit Schwerpunkt auf den künstlerischen Konzepten konnte nicht mehr stattfinden. Am 02.04. sendete ich eine Nachricht an die Schüler*innen mit der Information, dass das künstlerische Team digital weiterarbeite.
Kunst & Vermittlung zu Archiv und Kolonialgeschichte. Die Arbeit mit einer Schüler*innengruppe zu Qingdao - a messy archive
Letzte physische Begegnung mit der Produktionsgruppe
Schulbesuch des künstlerischen Teams
Start mit der Produktionsgruppe im Marchivum
On Monday, 02.03.20, the first meeting between the production group (contact teacher and 10 interested students* from classes 9-11, partly from the theatre AG, partly having Chinese lessons) and me took place. Our joint aesthetic-research process began in an archive. The experience in the rooms and the research for visual material as a contribution to the material collection of the production provided the foundation for an exchange with the artistic team. In the users' room of the Marchivum, the students selected photographs from the estate of the architect Friedrich Wilhelm Biber (1875 - 1969). This selection allowed us to gain impressions of landscapes and people in Qingdao, as well as of architecture, interior decoration, everyday scenes, festivities and photographic self-presentation of the colonialists living there. The basic question: What can we see in these pictures? Quickly led us to encounter our limits: Despite existing captions, we did not only lack the cultural-historical and political context, but above all appropriate terminology. We made a few agreements: 1. We are not experts in the country, people and history of Qingdao. 2. We try to avoid judgement and hasty interpretations. 3. We are aware of our perspective and cannot pretend that an objective description of the picture is possible.
On Thursday, 05.03., the first meeting between the production-team and the production-group took place. In some kind of speed-dating, one student exchanged ideas with one member of the artistic team. Afterwards the students showed printed pictures from Biber’s estate and explained why they had selected them. In a discussion with the team, the difficulty of interpreting the pictures and naming the people, as well as problems related to the medium of photography as a colonial technology and the question of materials for sensitive language were the main topics.
On Friday, the 13.03.20 the production group and I, supported by Talibe Rabia Tunc (Volunteer at the JNTM), continued our work with the pictures by putting them into groups. This exercise made us form categories, which we questioned and discussed together. We wrote down terms used in the explanations - both problematic and helpful.
The planned visit of a rehearsal by the students* scheduled for March 24th which would have focused on the artistic concepts could no longer take place. On 02.04. I was able to send a message to everyone, telling them that the artistic team had decided to continue their work digitally.
Art Education: concerning Archives and Colonial History. Working with a Group of Students on “Qingdao - a messy archive”
Start with the production group in the "Marchivum", City Archive of Mannheim
Start mit der Produktionsgruppe im Marchivum
School Visit of the Artistic Team
School Visit of the Artistic Team